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Schiaparelli im V&A: die Frau, die der Mode das Gesicht der Kunst gab

  • 1. Apr.
  • 3 Min. Lesezeit

Elsa Schiaparelli wird mit Bildern verbunden, die tief in der Geschichte der Mode verankert sind: ein Hummer über einem Abendkleid, ein in schwarzen Jersey eingearbeitetes Skelett, ein Schuh, der als Hut auf den Kopf gesetzt wird. In diesen Arbeiten verdichtet sich ihr gesamtes Verständnis von Kleidung. Für Schiaparelli diente ein Kleid nicht allein dem Körper; es trug eine Idee, Humor, geistiges Spiel und eine enge Verbindung zur Kunst in sich. Geboren 1890 in Rom, lebte sie in London, New York und Paris und gründete 1927 ihr eigenes Haus, nachdem ihre gestrickten Pullover mit Trompe-l’œil-Schleifen großen Erfolg hatten. 1933 eröffnete sie eine Filiale in Mayfair in London, und 1934 wurde sie als erste Modedesignerin auf dem Cover des Time gezeigt.

 

Elsa Schiaparelli in her boutique at 21 Place Vendôme, Harper's Bazaar, October 1935
Elsa Schiaparelli in her boutique at 21 Place Vendôme, Harper’s Bazaar, October 1935. Photograph by François Kollar © GrandPalaisRmn - Gestion droit d'auteur François Kollar. Courtesy of the V&A.

Aus dieser Perspektive bietet die Ausstellung Schiaparelli: Fashion Becomes Art im Victoria and Albert Museum den klarsten Zugang zu ihrer Welt. Es handelt sich um die erste Ausstellung im Vereinigten Königreich, die Elsa Schiaparelli gewidmet ist, und sie verfolgt die Entwicklung des Hauses von den 1920er-Jahren bis in die Gegenwart unter der kreativen Leitung von Daniel Roseberry. Zu sehen ist sie in der Sainsbury Gallery im V&A South Kensington bis zum 8. November 2026.

 

Im Ausstellungsraum beginnt die Erzählung mit jenem Pullover von 1927, dessen Schleife als optische Täuschung erscheint. Bereits dieses Stück trägt das in sich, was später zur Signatur des Hauses wird: präzise Schnittführung, ein Gespür für visuelle Umkehrungen und den Anspruch, Kleidung auch als Bild zu lesen. Von dort entfaltet sich die Ausstellung über Tagesmode, Abendkleider, Anzüge, Accessoires und Parfums und zeigt Elsa Schiaparelli als Designerin, die die Haute Couture in einen Dialog mit Kunst, Humor und surrealer Vorstellungskraft führte.

 

Besonders eindrücklich sind die Räume, in denen Arbeiten gezeigt werden, die in enger Zusammenarbeit mit Künstlern entstanden. Dazu zählen das Tears Dress, das Skeleton Dress, der Abendmantel, den Schiaparelli gemeinsam mit Jean Cocteau entwarf, sowie Salvador Dalís Lobster Telephone. Das V&A macht hier mit großer Präzision sichtbar, dass Mode für Schiaparelli nicht als dekorative Ergänzung zur Kunst fungierte. Der Surrealismus bildete einen festen Bestandteil der Sprache ihres Hauses. In der Gesamtschau verbinden diese Werke Witz, Disziplin und eine klare formale Schärfe.

 

Schiaparelli: Fashion Becomes Art at V&A South Kensington. © Victoria and Albert Museum, London.
Schiaparelli: Fashion Becomes Art at V&A South Kensington. © Victoria and Albert Museum, London.

Von besonderem Interesse ist auch der London gewidmete Abschnitt. In seiner Chronologie hält das V&A fest, dass Schiaparelli 1933 ihre Londoner Filiale in der Upper Grosvenor Street in Mayfair eröffnete. Die Ausstellung rückt diese Londoner Dimension wieder ins Zentrum und erweitert damit den Blick über die Rolle einer Pariser Modeikone hinaus. Sichtbar wird eine Frau, die Textilien, Atelierarbeit, Marktmechanismen, gesellschaftliche Positionen und öffentliche Wahrnehmung in ihrem Zusammenspiel verstand.


Behind the scenes of Schiaparelli: Fashion Becomes Art at V&A South Kensington. © Jamie Stoker
Behind the scenes of Schiaparelli: Fashion Becomes Art at V&A South Kensington. © Jamie Stoker

Ein weiterer Strang führt in die Filmwelt. Das V&A verweist darauf, dass Mae West 1937 in Every Day’s a Holiday Kostüme von Schiaparelli trug. Dieser Aspekt eröffnet eine zentrale Eigenschaft des Hauses. Von Beginn an entstand Mode, die vor der Kamera, auf der Bühne und in der Fotografie ihre volle Wirkung entfaltet. Ihre Entwürfe verlangten nach Bewegung, Inszenierung und Publikum. Die Ausstellung erweitert sich so über Salons und Mannequins hinaus hin zu einer Zeit, in der Mode, Film, Fotografie und öffentliche Auftritte immer enger miteinander verbunden waren.

 

Die letzten Räume führen zur Gegenwart unter Daniel Roseberry. Das V&A begleitet das Haus in die heutige Zeit und zeigt unter anderem das Kleid, das Ariana Grande bei den Oscars 2025 trug. Dieser Übergang wirkt schlüssig, da sich die zentralen Themen durch die gesamte Ausstellung ziehen: skulpturale Formen, ausgeprägte Theatralik und eine starke Beziehung zum öffentlichen Bild. Was sich in Elsa Schiaparellis Arbeiten zwischen den Kriegen formte, findet im heutigen Haus eine neue Ausprägung.


Über mehrere Galerien hinweg vereint das V&A den Pullover mit der optischen Schleife, Dalís Lobster Telephone, Cocteaus Stickerei, die Geschichte der Londoner Filiale, Filmkostüme und die zeitgenössischen Entwürfe unter Daniel Roseberry. Besonders deutlich zeigt sich hier die Arbeitsweise, das Netzwerk von Kollaborationen und die inhaltliche Spannweite eines Hauses, das die Haute Couture in das Zentrum der visuellen Kultur seiner Zeit rückte.

 


Photos: Behind the scenes of Schiaparelli: Fashion Becomes Art at V&A South Kensington. © Jamie Stoker.; Schiaparelli: Fashion Becomes Art at V&A South Kensington. Photos: David Parry / PA Media Assignments.


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