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SHOMA THE LABEL

  • vor 17 Stunden
  • 5 Min. Lesezeit

Im Gewebe dieses Mode-Labels leben der Rhythmus der Karibik, eine Erinnerung, die niemals verblasst,

und eine Form, die den Körper ehrt.


Shoma Persad, founder and designer; Photo: Gary Jordan
Shoma Persad, founder and designer; Photo: Gary Jordan

In Trinidad ist Kleidung mehr als nur ein Trend. Sie ist eine Sprache, geformt durch Geschichte, Zugehörigkeit und den alltäglichen Rhythmus des Lebens. Aus dieser Sprache, aus diesem Boden, entsteht Shoma The Label. Ein Modehaus, das skulpturale Klarheit mit einem feinen Gespür für den Körper verbindet und die kulturelle Erinnerung der Karibik in sich trägt.


Shoma Persad, Gründerin und Designerin, entwirft Kollektionen, die sich an Gefühlen orientieren, nicht an Jahreszeiten. Ihre Arbeit folgt der Atmosphäre, nicht bloß der Ästhetik. Jede Silhouette, jedes Muster, jedes Detail verkörpert ein Gefühl. Im folgenden Gespräch öffnen sich Einblicke in diese kreative Innenwelt. Worte treten hervor, die dieselbe Tiefe tragen wie ihre Entwürfe.


In Trinidad ist Mode gelebte Identität. Sie ist Karneval, Protest, Ehrfurcht und Freude. Geformt durch den europäischen Kolonialismus, den transatlantischen Sklavenhandel afrikanischer Menschen und die Vertragsarbeit von Inderinnen und Indern sowie Asiaten und Asiatinnen, war Mode in Trinidad stets Ausdruck von Überleben und Selbstbehauptung.


Nach der Abschaffung der Sklaverei in den 1830er Jahren nutzten ehemals versklavte Afrikanerinnen und Afrikaner Performance, Maskerade und Kleidung, um sich Raum zurückzuerobern. Daraus entstand Canboulay, ein Ritual, das mit den Zuckerrohrfeldern und dem Widerstand verbunden ist. Als die kolonialen Behörden versuchten, diese Traditionen zu unterdrücken, kam es 1881 zu den Canboulay-Aufständen. Sie machten den Karneval endgültig zu einem Symbol des Widerstands und des Wandels. Seitdem ist er mit uns gewachsen und spiegelt jedes Kapitel unserer Geschichte. Mode in Trinidad ist nichts Vorübergehendes. Sie ist dauerhaft. Sie gehört zum Leben. Von Anfang an.


Ich bin dort aufgewachsen und war von klein auf in dieser Realität verwurzelt. Der Karneval lehrt dich früh, dass Kleidung spricht. Ein Kopfschmuck, ein Saum und ein Farbakzent haben Bedeutung. Sie erzählen, woher du kommst und wie du dich weiterbewegst. Ob du Verkäuferin oder Designerin bist, dieses Wissen wird weitergegeben.


Für mich wurde Mode zu einer Möglichkeit, diesem Gespräch etwas Neues hinzuzufügen. Ich wollte unsere Beziehung zu feiner Schneiderei und klaren Formen erkunden, ohne dabei den Rhythmus unserer Geschichte zu verlieren. Ich wollte herausfinden, ob sich unsere Erzählungen auch durch Eleganz ausdrücken lassen und nicht nur durch Spektakel. Dieser Impuls prägte meine erste Kollektion Tropical Masquerade. Dort begann ich, Identität in Silhouetten und Stoff einzuschreiben.


Mein betriebswirtschaftlicher Hintergrund half mir, Inspiration in ein nachhaltiges Projekt zu verwandeln. Mit jeder Kollektion wurde diese Vision tiefer. Harvest ehrte die Frauen und ihre Arbeit, mit der sie unsere Wirtschaft aufgebaut haben. Magic Island erforschte den Mystizismus, der unsere Kultur prägt. Casa Caribe schlug eine Brücke zwischen Trinidad und Lateinamerika und zeigte, wie sich unsere ästhetische Sprache über Grenzen hinweg bewegt. Mode ist meine Wahrheit. Sie erlaubt mir, unsere Geschichte zu erzählen, nicht nur meine eigene, sondern die von uns allen, in einer Form, die Geschichte, Schönheit und Bedeutung vereint.


Wenn Sie an einer neuen Kollektion arbeiten, was kommt für Sie zuerst? Ein Gefühl, ein Ort, eine Atmosphäre, ein Material? Wie nimmt dieser kreative Anfang tatsächlich Form an, ganz unabhängig vom Thema?


Am Anfang steht für mich immer ein Gefühl. Dieses Gefühl kann Sehnsucht sein, Neugier, Trauer oder Freude. Es kommt immer aus etwas sehr Persönlichem. Jede meiner Kollektionen ist auf diese Weise entstanden. Tropical Masquerade entstand aus dem Stolz und dem Ausdruck, den ich im Karneval erlebt habe. Harvest war geprägt von einer tiefen Ehrfurcht und dem Gewicht historischer Erfahrungen. Magic Island fing das Staunen ein, das in Erzählungen weitergegeben wird, die über Generationen hinweg getragen wurden. Casa Caribe wuchs aus einem Gefühl der Verbundenheit, aus dem Moment, in dem sich eine andere Kultur zugleich fremd und vertraut anfühlt.


Sobald dieser emotionale Funke zündet, beginne ich mit der Recherche. Ich beschäftige mich mit Stoffen, Archiven, Texturen, Musik, Poesie, Landschaften und mündlich überlieferten Geschichten. Ich versuche zu verstehen, wie sich ein Gefühl in einem Muster ausdrücken lässt oder wie es durch das Gewicht und den Fall eines Stoffes spürbar wird. Von dort aus arbeite ich mit Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerkern zusammen, um diese innere Welt in Drucke zu übersetzen. Der Stoff wird zu einer Sprache. Alles Weitere – die Silhouette, der Schnitt, die Verarbeitung – entwickelt sich daraus. Es geht nicht nur darum, Kleidung zu entwerfen. Es geht darum, das zu würdigen, was wir in uns tragen, und ihm eine Form zu geben, die sich wahrhaftig anfühlt.


Photos: Juan Camilo Pérez


Ihre Kollektionen wirken visuell kraftvoll und zugleich durch und durch feminin. Wie nehmen Sie die Beziehung zwischen der Form eines Kleidungsstücks und der Persönlichkeit der Frau wahr, die es trägt?


Die Beziehung zwischen Form und Persönlichkeit beschäftigt mich ständig, besonders im karibischen Kontext. Hier gehören Stärke und Stil untrennbar zusammen. Wer einmal die Arbeit unserer lokalen Schneiderinnen und Schneider gesehen hat, weiß, dass Struktur und Ausdruckskraft keine Trends sind. Sie sind Teil unserer Tradition.

Unsere Kleidung basiert auf handwerklicher Präzision, und genau dieses Fundament gibt mir die Freiheit, Kollektionen zu gestalten, die auf etwas Tieferes verweisen. Weiblicher Ausdruck ist nicht statisch. Er verändert sich von Generation zu Generation, von Kultur zu Kultur und von Stimmung zu Stimmung. Ich habe beobachtet, wie er sich in unserer Gesellschaft entwickelt, und diese Entwicklung beeinflusst, wie ich jede einzelne Linie forme.


Für mich ist Weiblichkeit nicht eindimensional. Sie ist Kraft, Sanftheit, Ausstrahlung, Zurückhaltung, Dramatik. Sie ist all das, was die Frau, die ein Kleidungsstück trägt, in sich sieht. Deshalb spielt Struktur in meiner Arbeit eine so zentrale Rolle. Eine klare Schnittführung gibt der Trägerin eine stabile Grundlage. Von dort aus erlauben ihr Stoff, Silhouette und Farben, ihre eigene Geschichte zu erzählen. Mein Ziel ist nicht, eine Frau zu verkleiden oder sie zu verändern. Ich möchte ihr helfen, ganz bei sich selbst anzukommen. Ob sie einen Konferenzraum betritt oder im Innenhof tanzt, sie soll sich gesehen fühlen, im Mittelpunkt stehen und ihre Präsenz mit Anmut und Selbstverständlichkeit spüren.


Wenn jemand die Karibik zum ersten Mal nicht über ein Foto oder einen Text erlebt, sondern durch eines Ihrer Kleidungsstücke, was würden Sie sich wünschen, dass diese Person in diesem Moment fühlt?


Shoma The Label
Photo: Juan Camilo Pérez

Wenn jemand die Karibik zum allerersten Mal durch eines meiner Kleidungsstücke erleben würde, dann wünsche ich mir, dass er oder sie etwas Spürbares fühlt. Ein Gefühl von Willkommen, Staunen und Verwurzelung zugleich. Nicht nur die Wärme der Sonne, sondern die Wärme unserer Menschen. Diese Wärme, die dich mit einem Lächeln empfängt, noch bevor ein Wort gesprochen ist. Man spürt sie in einem Rhythmus, in einem Duft, in einem Blick.


Durch Farbe, Textur und Form versuche ich, die Karibik einzufangen. Sie ist vielschichtig, komplex und voller Schönheit. Ich möchte, dass man die Kraft unserer Vorfahrinnen und Vorfahren spürt, die Verbindung der Kulturen, die uns geprägt haben, die Echos des französischen Patois, Bhojpuri-Wiegenlieder, Yoruba-Gesänge. All das ist in unser Gewebe verwoben. Das Rascheln der Zuckerrohrfelder. Die Anmut einer Moko Jumbie. Die Stille eines Morgens am Strand von Mayaro.


Mehr als alles andere wünsche ich mir, dass dieser Mensch die Möglichkeit spürt, Teil einer Geschichte zu sein. Einer Geschichte, die keine Erklärung braucht, weil die Seele sie bereits versteht. Wenn jemand ein Kleidungsstück von Shoma The Label trägt und sich dabei zugleich verwurzelt und im Entstehen fühlt, verbunden und im Werden, dann habe ich die richtige Geschichte erzählt. Denn die Karibik ist kein Ort, den man besucht. Sie ist ein Gefühl, das man mit sich trägt.



Die Atmosphäre der Karibik lebt in der Arbeit von Shoma Persad. In ihren Texturen, in der Stille, in den Emotionen, die sie leise weckt. Im Stoff ihrer Kollektionen liegen der Duft von Erde, eine Erinnerung, die nicht verblasst, und ein Blick, der keine Erlaubnis braucht.


Shoma The Label entstand aus einer intimen Beziehung zum Körper, zur Zeit und zur Weiblichkeit. Ein Raum, in dem Identität behutsam Gestalt annimmt. Das ist Mode mit einer inneren Stimme. Rhythmisch. Geerdet. Frei von dem Bedürfnis, sich zu beweisen.


SHOMA THE LABEL

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